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Wahl in Israel: Prognosen sehen keine Mehrheit für Netanjahu oder Eisenkot
Bei der Wahl in Israel fällt Netanjahus Lager laut Nachwahlbefragungen auf 50 Sitze. Herausforderer Eisenkot liegt knapp vorn, wäre aber auf arabische Parteien angewiesen.
Von MarcelAktualisiert:
Update
Laut den Prognosen der großen israelischen Fernsehsender liegt Eisenkots Block bei 52 bis 53 Sitzen, Netanjahus Lager bei 50. Eisenkot kündigte an, die Regierung schnell abzulösen, und versprach einen weiterhin harten sicherheitspolitischen Kurs.
Mehr dazu: Gadi Eisenkot: Ex-Armeechef mit Lager knapp vor Netanjahu, aber ohne Mehrheit

Bei der Parlamentswahl in Israel am Dienstag, 27. Oktober, hat nach ersten Prognosen keines der beiden großen Lager eine Mehrheit errungen. Laut Nachwahlbefragungen der großen israelischen Fernsehsender verfehlen sowohl der Block von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als auch der seines Herausforderers, des früheren Generalstabschefs Gadi Eisenkot, die nötigen 61 Sitze in der Knesset, dem israelischen Parlament.
Die Befragungen der Sender Kan, Channel 12, Channel 13 und Channel 14 sehen das Lager von Netanjahu bei 50 Sitzen. In der bisherigen Knesset verfügte es über 68 Mandate. Eisenkots Block kommt laut den Prognosen der großen israelischen Fernsehsender auf 52 bis 53 Sitze und liegt damit knapp vorn.
Arabische Parteien erreichen in den Prognosen 17 bis 18 Sitze. Für eine Mehrheit wäre der Block um Eisenkot auf ihre Unterstützung angewiesen. Nach Angaben des Senders CNN ist das ein Rekordwert für die arabischen Parteien; auch die Wahlbeteiligung war demnach die höchste seit mindestens 1999.
Stärkste Einzelpartei wird den Befragungen von Kan und Channel 13 zufolge Netanjahus Likud mit 25 Sitzen. In den letzten Umfragen vor der Wahl lag nach Angaben des Nachrichtenportals Ynet noch Eisenkots Partei Yashar vorn, sein Block führte demnach mit zwei bis sechs Mandaten Vorsprung.
Eisenkot wertet Prognosen als Misstrauensvotum
Eisenkot bezeichnete die Prognosen als Ausdruck völligen Misstrauens gegenüber Netanjahu.
Am Wahltag lehnte die Wahlkommission nach Angaben des Senders France 24 einen Antrag des Likud ab, die Öffnungszeiten der Wahllokale zu verlängern. Eisenkots Partei Yashar hatte sich gegen eine Verlängerung ausgesprochen.
Wahlkampf drehte sich um Netanjahus Person
Es war die erste Parlamentswahl in Israel seit dem Angriff der Hamas vom 7. Oktober 2023. Über Israels Kriegsführung im Gazastreifen, die Besetzung großer Teile des Südlibanon und von Teilen Syriens sowie die beiden Kriege gegen den Iran wurde im Wahlkampf kaum gestritten.
Im Mittelpunkt standen stattdessen Netanjahus Führung und Charakter sowie seine Rolle beim Versagen der Sicherheitskräfte am 7. Oktober. Debattiert wurde zudem über seine Bemühungen, ultraorthodoxe Juden vom Wehrdienst zu befreien, und über die Justizreform von 2023. Kritiker sehen darin einen Angriff auf die demokratischen Institutionen des Landes.
Auszählung beginnt in der Nacht
Die Prognosen sind keine offiziellen Ergebnisse und können wie alle Befragungen fehlerhaft sein. Die Auszählung der Stimmen beginnt in der Nacht. Ein amtliches Ergebnis liegt erst vor, wenn die Wahlbehörden alle Stimmen gezählt und geprüft haben.
Die Knesset hat 120 Sitze. Ohne klaren Sieger dürften nun wochenlange Verhandlungen folgen, bevor feststeht, wer Israel künftig regiert.



