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WeltLa Pedriza, Spanien · Europa

Tote blieb wegen Datenschutz 20 Jahre namenlos: Beatriz Muñiz Fernández identifiziert

Schulkinder fanden die Tote 2006 in den Bergen bei Madrid. Erst eine Vermisstenanzeige für ein Erbverfahren machte den Abgleich ihrer Fingerabdrücke möglich.

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Illustriertes Porträt einer Person mit zurückgekämmten dunklen Haaren und Augenbrauenpiercing vor hellgrauem Hintergrund
Zwanzig Jahre nach dem Fund einer mumifizierten Leiche in La Pedriza bei Madrid ist die Tote identifiziert: Beatriz Muñiz Fernández, 23, Studentin aus Asturien.

Die als „Mumie von La Pedriza“ bekannte Tote aus den Bergen bei Madrid hat nach fast 20 Jahren wieder einen Namen: Es handelt sich um Beatriz Muñiz Fernández, eine Studentin aus Asturien, die 2006 im Alter von 23 Jahren starb. Das machte die spanische Zeitung El Mundo am Montag, 26. Oktober, nach eigener Recherche öffentlich. Die Zeitung hatte die Familie bei den Behördengängen begleitet.

Schulkinder hatten die mumifizierte Leiche im Jahr 2006 bei einem Samstagsausflug im Naturpark La Pedriza entdeckt. Sie lag nach Angaben der Ermittler etwa sechs Monate unentdeckt in einem Felsgebiet, 20 Meter von einem markanten Felsen namens El Tolmo entfernt. Beatriz Muñiz Fernández stammte aus einem kleinen Dorf in der Gemeinde Pravia und studierte in Sevilla Geisteswissenschaften. Heute wäre sie 43 Jahre alt.

Fundort „wie in einem Horrorfilm“

Die Tote lag bekleidet auf dem Rücken neben einer Mulde, die zwei aneinandergelehnte Steine bildeten. Bei ihr fanden die Ermittler eine Wasserflasche, aber weder Rucksack noch Geldbörse, Handy oder Ausweispapiere. „Es war wie in einem Horrorfilm“, sagte Mercedes Martín, Sprecherin der Guardia Civil. Die Polizeieinheit leitete damals die Ermittlungen.

Die Autopsie ergab laut Martín zunächst keine Anzeichen von Gewalt, obwohl das Brustbein eingedrückt war. Dies könne auch nach dem Tod geschehen sein. Der zuständige Sergeant Santiago habe aus Erfahrung einen Unfall für möglich gehalten, ein Tötungsdelikt aber nicht ausgeschlossen, erinnerte sich die Sprecherin.

Um die Frau zu identifizieren, verteilte die Guardia Civil eine Phantomzeichnung, die die Universität Granada erstellt hatte. Doch niemand meldete sich. „Es hat uns sehr betrübt, dass sich niemand aus ihrer Familie oder ihrem Freundeskreis an sie erinnerte“, sagte die Sprecherin.

Datenschutz verhinderte frühen Abgleich

Weil die Höhle, in der die Tote lag, eine gleichbleibende Temperatur hatte, war der Körper gut erhalten. Gerichtsmediziner konnten so die Fingerabdrücke aller zehn Finger und ein DNA-Profil sichern. Mit der nationalen Personalausweis-Datenbank durften die Fingerabdrücke jedoch nicht abgeglichen werden. „Ohne vorherige Anzeige dürfen die Datenbanken nicht eingesehen werden“, erklärten Quellen der Guardia Civil.

Die Wende kam im Dezember 2025: Für ein Gerichtsverfahren zur Aufteilung einer Erbschaft musste die Familie nachweisen, ob Beatriz noch lebte. Sie erstattete deshalb bei der Guardia Civil in Pravia Vermisstenanzeige. Der Mutter wurde DNA entnommen, doch das war am Ende nicht nötig: Die Fingerabdrücke allein bestätigten die Identität.

Familie hielt das Schweigen für Wut

Ihr Bruder Gustavo, damals 16 Jahre alt, beschreibt Beatriz als fröhlich, aufgeschlossen und engagiert. „Nach der Ölkatastrophe der Prestige organisierte sie mit einer Gruppe junger Leute eine Reise an die Strände Galiciens, um beim Aufräumen zu helfen“, sagte er der Zeitung. „Sie war sehr abenteuerlustig; 2004 war sie auch schon in Peru gewesen.“

Zunächst habe sie alle paar Tage zu Hause angerufen, dann nur noch alle paar Wochen. Ein letzter Besuch im März 2006 sei nicht gut verlaufen, Beatriz sei verärgert abgereist. Danach hörte die Familie nie wieder von ihr. Polizeiliche und gerichtsmedizinische Untersuchungen ergaben, dass sie kurz nach diesem Besuch starb.

„Wir dachten, sie sei wütend“, sagte der Bruder. „Wir dachten, sie lebte ihr Leben, arbeitete als Lehrerin. Ich fing sogar an zu glauben, ich hätte keine Schwester mehr, wenn sie nichts von mir hören wollte.“ Die Familie habe sich an das Sprichwort „Keine Nachrichten sind gute Nachrichten“ gehalten. Ihre Lebensversicherung zahlte sie die ganze Zeit weiter.

Mindestens einmal im Jahr habe er die Handynummer seiner Schwester gewählt, sagte Gustavo. Einmal habe sich eine Frau gemeldet – doch es war eine Unbekannte aus Saragossa. Später sprach er mit Freunden und Kommilitonen seiner Schwester, ohne etwas zu erfahren.

Eine ihrer besten Freundinnen in Sevilla, Diana, suchte monatelang nach ihr. „Sie war ein ganz besonderes Mädchen. Sehr intelligent, ein kleines Genie“, sagte sie. „Ich werde ihr Lachen nie vergessen.“

Bruder zweifelt an einem Unfall

Die Ermittler halten nach Angaben von El Mundo einen Sturz für die wahrscheinlichste Ursache; die Zeitung selbst nennt das eine Hypothese. Die Familie kann das nur schwer akzeptieren. Es gebe keine Hinweise, dass Beatriz jemals in Madrid gewesen sei oder dort Bekannte gehabt habe, sagte der Bruder. Die Mutter habe sie nach dem letzten Besuch zum Busbahnhof in Avilés gebracht, angeblich für die Fahrt nach Sevilla. Er vermutet, dass seine Schwester nicht allein unterwegs war und dass ihr etwas zugestoßen ist.

Gustavo verdächtigt eine frühere Bekannte seiner Schwester, die in Guadalajara nahe Madrid lebte. Sie habe ihn über Facebook nach Beatriz gefragt. Als er ihr zum Test fälschlich erzählte, Beatriz sei lebend gefunden worden, habe sie ihn blockiert. „Das kam mir sehr seltsam vor“, sagte er. Die Frau lehnte gegenüber El Mundo eine Stellungnahme ab.

Quellen der Guardia Civil bestätigten der Zeitung, dass die Ermittler anfangs auch ein Tötungsdelikt prüften, diese Möglichkeit aber verwarfen. Nach ihrer Theorie trug die junge Frau womöglich eine Bauchtasche mit Geldbörse und Handy bei sich, die ein Tier später fortriss. Auch der Körper sei vermutlich von Tieren aus einer Höhle an die Stelle getragen worden, wo die Kinder ihn fanden. La Pedriza ist ein Granitgebiet, das einem Labyrinth aus Felsen und Gestrüpp gleicht – schon wenige Meter abseits des Weges kann ein Mensch unentdeckt bleiben.

Zehn Jahre in einer Grabnische ohne Namen

Erst nach der Identifizierung erfuhr die Familie, dass die Tote auf dem Friedhof von Colmenar Viejo nördlich von Madrid beigesetzt worden war. Dort lag sie zehn Jahre in einer Nische ohne Namen. Danach wurde sie eingeäschert, ihre Asche verstreut.

Das Nationale Zentrum für Vermisste (CNDES) hat der Familie die Identität inzwischen offiziell mitgeteilt. Damit kann die Guardia Civil in Madrid den Fall abschließen. Ein Schreiben an das Justizdekanat in Colmenar Viejo soll nun ermöglichen, dass Beatriz Muñiz Fernández im Personenstandsregister eingetragen wird – diesmal als verstorben.

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