WeltValle de la Pascua, Venezuela · Amerika
Video „Cola löscht Feuer“: Ingenieure warnen vor Trafo-Trick in Venezuela
Ein Arbeiter des venezolanischen Stromversorgers Corpoelec warf Colaflaschen auf einen brennenden Masttrafo. Fachleute sprechen von gefährlicher Improvisation.
Von Marcel

Ein Monteur des staatlichen venezolanischen Stromversorgers Corpoelec hat in Valle de la Pascua im Bundesstaat Guárico versucht, einen brennenden Masttransformator mit Limonade zu löschen. Laut dem Nachrichtenportal La Patilla, das am Montag, 2. November, über das Video berichtete, warf der Mann aus dem Hubkorb drei Zwei-Liter-Flaschen auf den Trafo und duckte sich jedes Mal weg.
Am Mittwoch, 4. November, veröffentlichte das türkische Konto Kaynak Haber den Clip auf X mit der Behauptung, die Cola habe das Feuer gelöscht. Venezolanische Ingenieure widersprechen und warnen davor, es nachzumachen.
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Stichflamme nach jedem Wurf
Das Video zeigt eine Wohnstraße mit Ziegeldächern und zahlreichen Freileitungen. Oben an einem Mast brennt ein zylindrischer Transformator, Flammen und Qualm steigen auf. Der Mann im Korb trägt weißes T-Shirt, Kappe und Sonnenbrille, einen Helm oder Schutzkleidung trägt er offenbar nicht.
Nach einem Wurf schießt eine Stichflamme in Richtung Korb, der Mann geht in Deckung. Die Flamme sackt ab, Rauch bleibt, dann kommt das Feuer zurück, während er schon die nächste Flasche in der Hand hält. Erst nach dem dritten Wurf sei das Feuer scheinbar erloschen, schrieb La Patilla.
Ob der Mann verletzt wurde und was den Brand auslöste, ist unklar. Corpoelec hat sich öffentlich nicht zu dem Vorfall geäußert.
Video als Zeichen der Stromkrise
In Venezuela wurde der Clip weniger als Trick denn als Symptom des maroden Stromnetzes verstanden. Anwohner kritisierten, dass die Kolonne offenbar ohne Feuerlöscher und ohne Schutzausrüstung an einem explodierten Trafo arbeitete. Auch La Patilla stellte Fragen zu den Arbeitsbedingungen der Trupps.
Das Portal Grupo Marmor ordnete den Vorfall in die seit mehr als zehn Jahren andauernde Stromkrise Venezuelas ein, die sich 2026 verschärft habe.
Ingenieure: Wasser auf heißem Öl ist gefährlich
Unter dem X-Beitrag argumentierten Nutzer, nicht die Cola, sondern das Kohlendioxid habe das Feuer erstickt. Das hält nach Einschätzung von Ingenieuren nicht: Eine Zwei-Liter-Flasche enthält grob geschätzt nur sechs bis acht Gramm CO₂, ein kleiner CO₂-Löscher dagegen zwei Kilogramm.
Trafobrände gehen meist von Isolieröl unter Strom aus. Limonade besteht größtenteils aus Wasser, das auf heißem Öl schlagartig verdampft und einen Feuerball auslösen kann. Eine geschüttelte, geschlossene Flasche kann in der Hitze zudem platzen. Die Flüssigkeit kühlt nur kurz, das Öl brennt danach oft weiter.
Der Elektroingenieur Jesús Olivares sagte dem Portal El Pitazo, bei solchen Störfällen seien geeignete Löscher nötig, etwa mit Trockenlöschpulver oder Kohlendioxid, „niemals mit Erfrischungsgetränken“. Beim Werfen der Flüssigkeit sei jedes Mal eine Stichflamme entstanden, die den Monteur zwang, hinter dem Korb Schutz zu suchen. Weil Limonade Wasser enthalte, leite sie außerdem Strom in Richtung des Arbeiters.
Jacobo Vidarte, Fachmann für Risikomanagement aus San Diego im Bundesstaat Carabobo, nannte es gefährlich, einen Brand von Öl oder Kohlenwasserstoffen mit Wasser oder Limonade zu bekämpfen. Richtig sei, die Leitung abzuschalten, den Bereich zu räumen und einen CO₂- oder Pulverlöscher einzusetzen. Andernfalls drohten Stromschlag, Verbrennungen und Explosionen.



