App Vaultaire: Gründer Rasty Turek meldet bis zu 3.000 Dollar pro Tag
Im ersten Monat brachte die verschlüsselte Tresor-App nur 66 Dollar ein. Ihr Wachstum verdankt sie laut Turek KI-generierten Web-Ratgebern statt Werbung.
Von Marcel

Der slowakisch-amerikanische Gründer Rasty Turek setzt mit seiner ersten iPhone-App nach eigenen Angaben täglich 2.000 bis 3.000 Dollar um. Das sagte er in einem im Oktober veröffentlichten Interview mit dem YouTube-Kanal Starter Story.
Beim Abspielen wird das Video von YouTube geladen; dabei werden Daten an YouTube übertragen.
Die App Vaultaire, ein verschlüsselter Tresor für Fotos, Videos und Dateien, habe er in rund drei Wochen gebaut. Im ersten Monat habe sie 66 Dollar eingebracht, etwa sechs Monate später 41.000 Dollar in einem einzigen Monat. Die App komme auf mehr als 60.000 Downloads. Nach Tureks eigenen Angaben auf X erzielte Vaultaire im Oktober 2026 einen Umsatz von 83.530 Dollar, am 30. Oktober erstmals 4.000 Dollar an einem Tag. Die Zahlen beruhen auf Tureks eigenen Angaben und lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Die Grundversion ist kostenlos, aber eingeschränkt. Angeboten werden unter anderem ein Wochenabo für 1,99 Dollar, ein Jahresabo für 19,99 Dollar und eine lebenslange Lizenz für 39,99 Dollar; hinzu kommen laut App Store ein Monatsabo für 5,99 Dollar und Familienpläne. Laut Turek entfallen rund 60 Prozent der Käufe auf die lebenslange Lizenz, die mehr als 80 Prozent des Umsatzes bringt. Die Kaufquote liege am ersten Tag bei etwa 5,5 Prozent und erreiche ihren Höhepunkt um den 60. Tag – anders als bei vielen Trend-Apps, deren Nutzer sofort zahlen.
Kein Server, kein Konto, kein Zugriff
Vaultaire funktioniert ähnlich wie Dropbox, verschlüsselt aber alle Inhalte direkt auf dem Gerät (AES-256-GCM). Es gibt nach Tureks Angaben keine Nutzerkonten und keine gemeinsamen Schlüssel. Laut der Website betreibt Vaultaire keinen Server, der lesbare Tresorinhalte oder Schlüssel empfängt. Weder Turek noch Apple können auf Inhalte zugreifen oder Daten wiederherstellen. Entsperrt werden die Tresore über selbst gezeichnete Muster, unterschiedliche Muster öffnen getrennte Tresore.
Die App richtet sich an Menschen, die etwa Ausweise, Geburtsurkunden oder Krypto-Schlüssel lokal und privat speichern wollen. Die Idee entstand nach Tureks Worten aus dem eigenen Wunsch, solche Daten sicher auf dem Gerät zu haben. Technisch basiert die App auf Swift und SwiftUI und nutzt clientseitig verschlüsselte iCloud-Funktionen.
Nach Tureks Schilderung rief ihn an einem Freitag ein Agent der US-Bundespolizei FBI an. Dieser habe vermutet, dass ein Verdächtiger die App für sensible Informationen nutze, und um Hilfe beim Öffnen des Tresors gebeten. Wegen der Architektur sei das unmöglich gewesen, der Agent sei frustriert gewesen.
Täglich ein Ratgeber – geschrieben von KI
Turek gibt nach eigenen Worten kein Geld für Werbung aus und postet nicht auf TikTok. Das Wachstum komme vor allem über die Suchmaschinenoptimierung seiner Website. Viele etablierte Konkurrenten seien 15 Jahre oder älter, hätten Millionen Downloads und würden von Apple bevorzugt, vernachlässigten aber das Web.
Er decke deshalb alle Suchbegriffe, die im App Store funktionieren, auch im Web ab und veröffentliche täglich einen Ratgeber, etwa zur Frage, wie man Fotos sicher auf dem iPhone speichert. Texte und Kaufaufforderungen in den Artikeln erstellten weitgehend KI-Programmieragenten wie Claude und Codex. Er selbst habe praktisch keine Zeile Code und keinen Text der Website geschrieben.
Über die Website entschieden sich etwa 10 Prozent der Besucher für die App, der Großteil der Zugriffe komme inzwischen aus dem Web. Für die tägliche Analyse der Suchbegriffe nutze er den Google Keyword Planner über eine eigene Open-Source-Bibliothek.
Vom Gmail-Team zur eigenen App
Turek wuchs in einem slowakischen Dorf mit etwa 700 Einwohnern auf. Nach der Schule zog er nach Boston und arbeitete für ein Sicherheitsunternehmen, das später von Google übernommen wurde. Bei Google gehörte er zum Gmail-Team.
Danach gründete er mehrere Start-ups, zunächst im Sicherheitsbereich, später in der Unterhaltungsbranche; eines davon übernahm Amazon. Zuletzt verkaufte er das mit Wagniskapital finanzierte Unternehmen PEX, das Urheberrechtsdienste vor allem für Musik und Unterhaltung anbietet.
Anderen Gründern rät Turek, nicht zu viel nachzudenken. Der Start sei der schwerste Teil, viele Projekte blieben unfertig in der Schublade. Solange etwas nicht veröffentlicht sei, existiere es nicht. Man solle offen bleiben, jeden Tag einen Fuß vor den anderen setzen und ein kleines bisschen besser werden.


