WeltGlendora, Kalifornien · Amerika
Max-Factor-Erbe nach 23 Jahren Haft auf Bewährung frei
Der wegen 86 Sexualdelikten verurteilte Kosmetik-Erbe sollte 124 Jahre in Haft bleiben. Die Stadt Glendora in Kalifornien verlangt nun Aufklärung über seine Entlassung.
Von Marcel

Ein wegen 86 Sexualdelikten verurteilter Erbe des Kosmetikunternehmers Max Factor ist in Kalifornien auf Bewährung freigekommen. Der heute 62-Jährige war 2003 zu 124 Jahren Haft verurteilt worden. Laut der Schweizer Zeitung Blick wurde er am vergangenen Wochenende entlassen, nach 23 Jahren Haft und damit 101 Jahre früher als ursprünglich verhängt.
Beim Abspielen wird das Video von YouTube geladen; dabei werden Daten an YouTube übertragen.
Die Strafe war bereits 2013 auf 50 Jahre reduziert worden. Nach Angaben der kalifornischen Justiz verhalfen ihm Gutschriften für Arbeit und gute Führung zur vorzeitigen Entlassung.
Stadt Glendora fordert Aufklärung
Andrew L. soll nach Angaben des Senders CBS nun in Glendora wohnen, einer Stadt im Großraum Los Angeles. Die Stadtverwaltung verlangte in einer Stellungnahme Aufklärung darüber, wie genau es zu der frühen Haftentlassung kam.
Die Abgeordnete Blanca E. Rubio nannte die Entlassung „widerlich und inakzeptabel“.
Frauen mit Droge betäubt
Das Gericht hatte Andrew L. unter anderem wegen Vergewaltigung und Vergiftung schuldig gesprochen. Mindestens drei Frauen hatte er mit sogenanntem flüssigem Ecstasy betäubt und missbraucht. Zwei der Taten hielt er auf Video fest.
Die Verbrechen kamen ans Licht, als eine damals 21-Jährige im Jahr 2000 Anzeige erstattete. Er hatte die Frau in einer Bar in Santa Barbara kennengelernt, ihr dort unbemerkt die Droge verabreicht und sie danach in einem Bungalow mehrfach sexuell missbraucht. Am folgenden Tag erzählte er ihr davon.
Die Polizei zeichnete ein Telefongespräch zwischen den beiden auf, in dem er gestand, ihr die Droge gegeben zu haben. Bei einer Hausdurchsuchung stellten die Ermittler Videos und Fotos sicher. Sie zeigten ihn bei sexuellen Handlungen mit 13 scheinbar bewusstlosen Frauen.
Die Ermittlungen beschränkten sich auf drei Frauen und insgesamt 88 sexuelle Handlungen in den Jahren 1996, 1997 und 2000. Nur in diesen Fällen gab es Anzeigen, identifizierbare Opfer und vor Gericht verwertbare Beweise. Sie reichten für einen Schuldspruch in 86 Anklagepunkten.
Flucht nach Mexiko während des Prozesses
Während der Hauptverhandlung durfte sich der Angeklagte tagsüber mit einer Fußfessel frei bewegen. Einige Wochen nach Prozessbeginn ließ er sich darüber plötzlich nicht mehr orten. Die Strafe von 124 Jahren wurde in seiner Abwesenheit verhängt.
Er hatte sich nach Mexiko abgesetzt und lebte dort unter falschem Namen in einem billigen Hotel. Nach rund sechs Monaten auf der Flucht spürte ihn der Kopfgeldjäger Duane „Dog“ Chapman auf und brachte ihn in die USA zurück, wo er ins Gefängnis kam.
Vermögen auf die Mutter übertragen
Der Urenkel von Max Factor lebte laut Blick ursprünglich von einem Treuhandvermögen von rund 20 bis 30 Millionen. Um Schadenersatzzahlungen an seine Opfer zu umgehen, habe er 2003 Privatinsolvenz angemeldet. Sein Haus in Beverly Hills und weitere Vermögenswerte habe er auf seine Mutter übertragen.