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Lula kontert Flávio hart: ‚Ich will 100 % – inklusive deines Vaters!
Eine Woche vor der Stichwahl griff Flávio Bolsonaro Präsident Lula wegen Häftlingsstimmen an. Lula forderte daraufhin Ex-Präsident Jair Bolsonaro auf, ihn zu wählen.
Von Marcel

Im ersten TV-Duell vor der Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien haben sich Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und Herausforderer Flávio Bolsonaro am Sonntag, 18. Oktober, einen scharfen Schlagabtausch über Kriminalität geliefert. Lula konterte einen Angriff wegen der Stimmen von Gefangenen mit einem Seitenhieb auf Flávios Vater, Ex-Präsident Jair Bolsonaro.
Streit um Stimmen aus Haftanstalten
Flávio Bolsonaro, Senator der rechten Partei PL, warf Lula vor, unter seiner Regierung sei die Kriminalität „explodiert“. Er fragte den Präsidenten, warum ein Großteil der Gefangenen für ihn gestimmt habe. Je nach Wiedergabe nannte er dabei Anteile zwischen 60 und 73 Prozent. Lula habe Stimmen von Vergewaltigern, Räubern und der „schlimmsten Sorte“ in den Gefängnissen bekommen.
Lula von der Arbeiterpartei PT antwortete: „Ich will, dass 100 Prozent wählen. Sogar dein Vater!“ Dieser könne für ihn stimmen: „Er kennt dich, er weiß, dass ich besser bin als du.“ Dann wandte er sich direkt an den Ex-Präsidenten: „Wählen Sie mich, Bolsonaro!“
Flávio Bolsonaro entgegnete, sein Vater könne nicht einmal für ihn selbst stimmen, weil er Opfer einer Verfolgung sei.
Ex-Präsident darf nicht wählen
Jair Bolsonaro war 2025 wegen eines versuchten Staatsstreichs zu 27 Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Er steht derzeit aus humanitären Gründen unter Hausarrest. Seine politischen Rechte sind ausgesetzt, er darf daher nicht wählen.
Das gilt für alle rechtskräftig Verurteilten in Brasilien. In Haftanstalten wählen dürfen nur Untersuchungshäftlinge sowie Jugendliche, die im Rahmen sozialpädagogischer Maßnahmen in geschlossenen Einrichtungen untergebracht sind. In den Wahllokalen der Haftanstalten erhielt Lula im ersten Wahlgang nach Daten des Obersten Wahlgerichts 72,6 Prozent der gültigen Stimmen, Flávio Bolsonaro 23,3 Prozent.
Knappes Rennen vor der Stichwahl
Das Duell im Studio des Senders TV Band in São Paulo dauerte rund zwei Stunden. Es war die erste direkte Fernsehdebatte der beiden Kandidaten in diesem Wahlkampf, im ersten Wahlgang hatten beide Debatten gemieden.
Im ersten Wahlgang am 4. Oktober lag Flávio Bolsonaro mit 47,03 Prozent knapp vor Lula mit 45,16 Prozent. Umfragen sahen vor dem Duell ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit leichtem Vorsprung für Flávio Bolsonaro, etwa das Institut Datafolha mit 47 zu 45 Prozent.
Öffentliche Sicherheit ist eines der wichtigsten Themen des Wahlkampfs. Flávio Bolsonaro wirbt unter anderem für Haftstrafen von bis zu 80 Jahren für Anführer krimineller Organisationen und eine niedrigere Strafmündigkeit. Lula setzt auf Resozialisierung und kündigte ein eigenes Ministerium für öffentliche Sicherheit an. Die Stichwahl findet am 25. Oktober statt.