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Warum Schüler in Frankreich protestieren: 410.000 bei zweiter Welle

Frankreichs Schüler beklagen Lehrermangel, marode Gebäude und das Zulassungssystem Parcoursup. Bei der zweiten Protestwelle am 24. Oktober gab es fast 1.000 Festnahmen.

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Infografik zu Schülerprotesten in Frankreich: demonstrierende Jugendliche mit Schildern und Flagge, darunter fünf Gründe
Warum protestieren Schüler in Frankreich? Lehrermangel, marode Schulen und Parcoursup – bei der zweiten Welle zählte das Innenministerium 410.000 Teilnehmer.

Bei der zweiten großen Protestwelle der Schüler in Frankreich sind am Samstag, 24. Oktober, nach Angaben des Innenministeriums rund 410.000 Menschen auf die Straße gegangen. 70.000 Polizisten waren im Einsatz. Die Demonstrationen verliefen meist friedlich, in Paris, Marseille und anderen Städten kam es jedoch zu Zusammenstößen. Fast 1.000 Menschen wurden festgenommen.

In Nancy hatte die Präfektur des Départements Meurthe-et-Moselle eine Demonstration in der Innenstadt wegen des Risikos neuer schwerer Störungen der öffentlichen Ordnung untersagt. Schüler- und Studierendenorganisationen in Nancy und Metz kündigten nach Angaben des Senders France 3 an, trotz der Verbote zu demonstrieren. Einige riefen dazu auf, sich den Gelbwesten anzuschließen.

Lehrerstreik bei Paris als Auslöser

Die Bewegung begann am 17. September am Lycée Saint-Exupéry in Créteil, einem Vorort südöstlich von Paris. Dort streikten Lehrer wegen Personalmangels: Es fehlten Lehrkräfte für Französisch, Mathematik und Wirtschaft sowie Betreuer. Am Tag darauf blockierten Schüler die Schule.

Die Proteste griffen schnell auf andere Vororte wie Saint-Denis über und weiteten sich landesweit aus. Bis Anfang Oktober waren Hunderte Schulen blockiert oder teilweise geschlossen. Später schlossen sich Gewerkschaften und die Gelbwesten an.

Unterrichtsausfall, marode Gebäude und Druck beim Studienzugang

Ein Hauptgrund ist der Lehrermangel. Viele Stellen sind unbesetzt, erkrankte Lehrer werden oft wochenlang nicht ersetzt. Im Vorjahr fiel in der Oberstufe etwa jede zehnte Stunde aus.

Die Schüler beklagen zudem überfüllte Klassen mit oft 30 bis 36 Schülern und baufällige Gebäude mit kaputten Fenstern, undichten Decken, Ratten und Kakerlaken sowie schlechter Belüftung und Heizung. Viele Schulen sind älter als 60 Jahre und nicht für Hitze ausgelegt, im Sommer werden in Klassenzimmern bis zu 40 Grad erreicht. Hinzu kommen lange Schultage mit Unterricht oft bis 18 Uhr oder später. Bildungsminister Édouard Geffray sagte nach Angaben des ORF, in 400 bis 500 Schulen seien die nötigen Sicherheitsbedingungen nicht gegeben.

Kritik richtet sich auch gegen Parcoursup, das 2018 eingeführte nationale Online-Zulassungssystem für Hochschulen. Viele halten es für intransparent, belastend und sozial ungerecht. Sie fordern ein Ende der Auswahl über Parcoursup und die Masterplattform Mon Master sowie 250.000 zusätzliche Studienplätze.

Die Schüler verlangen einen Notfallplan von rund zehn Milliarden Euro für mehr Lehrer, Renovierungen und kleinere Klassen. Ein Zehn-Punkte-Plan der Gewerkschaften fordert zudem 200 Euro mehr im Monat für Stipendiaten, einen Mietstopp in Studentenwohnheimen und bessere Bedingungen in benachteiligten Vororten.

Hunderttausende Demonstranten, Tausende Festnahmen

Am 6. Oktober zählte das Innenministerium 266.000 Demonstranten, die Schülerorganisationen sprachen von 450.000. Laut der Schweizer Zeitung Blick gab es seit dem 28. September 6.059 Festnahmen, 715 Polizisten wurden verletzt.

Am 13. Oktober meldete die Polizei rund 160.000 Teilnehmer, die Organisatoren bis zu 480.000. Den bisher größten Protesttag gab es am 17. Oktober, als Schüler, Gewerkschaften und Gelbwesten gemeinsam demonstrierten. Das Innenministerium zählte rund 550.000 Menschen, die Gewerkschaften bis zu 800.000. Es kam zu Plünderungen, Gewalt und Bränden, unter anderem am Rathaus von Limoges. Mehr als 2.000 Menschen wurden festgenommen.

Viele Festnahmen betrafen Minderjährige. Auf beiden Seiten gab es Verletzte, Kritiker werfen der Polizei Gewalt vor. Im nordfranzösischen Lens riss nach Angaben des ORF eine Polizeigranate einem 15-jährigen Schüler die Hand ab. Die Generalinspektion der Polizei ermittelt.

Regierung unter Sparzwang

Die Proteste fallen in die letzten Monate der Amtszeit von Präsident Emmanuel Macron, 2027 wird gewählt. Die Regierung steht unter Sparzwang und plant im Haushalt nur moderate Erhöhungen. Linke Parteien wie La France Insoumise unterstützen die Bewegung, die sich inzwischen mit Themen wie Lebenshaltungskosten und Kraftstoffpreisen vermischt.

Die Regierung hat Zugeständnisse gemacht, darunter den Einsatz von 3.000 Vertretungslehrern und Gespräche über Parcoursup. Die Schüler lehnen diese als unzureichend ab.

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