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Kehlsteinhaus: Motorradfahrer nach Großbrand festgenommen
Das frühere NS-Teehaus auf dem Obersalzberg brannte in der Nacht zum Samstag weitgehend aus. Innenminister Herrmann sieht deutliche Hinweise auf eine Beteiligung des festgenommenen Mannes.
Von Marcel

Kurz nach Ausbruch des Großbrands am Kehlsteinhaus auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden hat die Polizei einen Motorradfahrer vorläufig festgenommen. Das als „Adlerhorst“ bekannte frühere NS-Gebäude brannte in der Nacht zum Samstag, 24. Oktober, weitgehend aus. Die Polizei vermutet Brandstiftung.
Eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd bestätigte die Festnahme am frühen Samstagmorgen. Nach Angaben eines Polizeisprechers war den Beamten auf dem Weg zum Einsatzort ein Motorradfahrer entgegengekommen.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte, der Mann stamme aus der Region, sei verletzt und liege im Krankenhaus. Es gebe deutliche Hinweise auf eine Beteiligung am Brand. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Ermittlerkreisen soll der Mann das Feuer gelegt haben.
Die Polizei hatte zunächst erklärt, der Zusammenhang mit dem Brand sei Gegenstand der Untersuchungen. Die Kriminalpolizei Traunstein ermittelt unter Leitung der Staatsanwaltschaft Traunstein. Das Motiv ist noch unklar. Für Samstagnachmittag war eine Pressekonferenz angekündigt.
Vollbrand beim Eintreffen der Einsatzkräfte
Der Alarm ging am Freitag, 23. Oktober, gegen 21.15 Uhr bei der Integrierten Leitstelle Traunstein ein. Als die ersten Einsatzkräfte gegen 21.52 Uhr eintrafen, stand das Gebäude nach Angaben der Polizei bereits in Vollbrand. Nach bisherigen Erkenntnissen war niemand im Haus. Verletzte durch das Feuer wurden nicht gemeldet. Auf X berichtete unter anderem das Konto KlaxonWire über den Großbrand am Kehlsteinhaus.
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Rund 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, Bergwacht und Polizei aus mehreren Gemeinden waren im Einsatz. Die Lage des Hauses auf 1834 Metern Höhe und die schwierige Erreichbarkeit erschwerten die Löscharbeiten erheblich. Das Gebäude und seine nähere Umgebung konnten nur mit schwerem Atemschutz betreten werden.
Vom NS-Repräsentationsbau zur Berggaststätte
Das Kehlsteinhaus wurde 1937/38 im Auftrag der NSDAP nach Plänen des Architekten Roderich Fick in etwa 13 Monaten errichtet. Vorangetrieben hatte das Projekt Martin Bormann. Zur Erschließung entstanden die 6,5 Kilometer lange Kehlsteinstraße mit mehreren Tunneln und ein 124 Meter langer Aufzugsschacht durch den Berg. Die Baukosten lagen bei rund 30 Millionen Reichsmark, mindestens zwölf Menschen kamen bei den Arbeiten ums Leben.
Das Haus gehörte zum abgeriegelten Führersperrgebiet Obersalzberg, dem Wohn- und Regierungsareal der NS-Führung, und sollte als Ort für politische Empfänge und Diplomatenbesuche dienen. Adolf Hitler nutzte es jedoch nur selten, Schätzungen gehen von zehn bis 14 Besuchen aus. Als Gründe gelten unter anderem der Zeitaufwand, die dünne Luft und angeblich seine Abneigung gegen den Aufzug. Das eigentliche Machtzentrum lag tiefer am Obersalzberg im Berghof.
Den Namen „Adlerhorst“ prägte 1938 der französische Botschafter André François-Poncet, die Alliierten machten später die Bezeichnung „Eagle’s Nest“ populär. Häufig wird das Haus mit dem gleichnamigen Führerhauptquartier bei Bad Nauheim in Hessen verwechselt, von dem aus Hitler Ende 1944 die Ardennenoffensive leitete.
Anders als der bombardierte Berghof überstand das Kehlsteinhaus den Krieg weitgehend unbeschädigt. Seit 1952 diente es als öffentliche Berggaststätte, das Nutzungsrecht liegt bei der Berchtesgadener Landesstiftung. Eine Ausstellung informierte dort über die Geschichte des Ortes.
Beliebtes Ausflugsziel soll wieder aufgebaut werden
Das Kehlsteinhaus zählte zu den beliebtesten Ausflugszielen der Region. In der laufenden Saison sollte es noch bis zum 8. November geöffnet bleiben.
Innenminister Herrmann kündigte an, das Gebäude solle wiederaufgebaut werden. Das Haus sei Eigentum des Freistaats Bayern. „Wir werden da kaum eine Ruine stehen lassen können“, sagte Herrmann.