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Anschlag in Trappes: Hunderte gedenken des getöteten MMA-Kämpfers
Der 26-Jährige starb bei Schüssen aus einem Auto. Omar Sy ruft zur Brüderlichkeit auf, die Familie fragt nach Versäumnissen der Behörden.
Von Marcel

Nach dem Anschlag in Trappes westlich von Paris haben am Samstag, 24. Oktober, Hunderte Menschen des getöteten 26-jährigen Pengo gedacht. Der Amateur-MMA-Kämpfer war am Freitag, 23. Oktober, von Schüssen aus einem Auto getroffen worden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach von einem rassistischen terroristischen Anschlag und einem Wendepunkt für die Republik.
Prominente würdigen den Getöteten
An der Organisation des Gedenkens war das Comité Adama beteiligt, eine Initiative gegen Polizeigewalt. Assa Traoré sagte: „Pengo ist gestorben, weil er schwarz war.“
Der aus Trappes stammende Schauspieler Omar Sy sprach den Bewohnern der Stadt auf Instagram seine Unterstützung aus und betete für die Familie und die anderen Opfer. Er nannte die Tat einen Terrorakt. Dieser sei die Folge eines Diskurses, der Teile der Bevölkerung zu Zielscheiben mache. „Es ist Zeit, aufzuhören, mit dem Leben der Menschen zu spielen. Finden wir zu der Brüderlichkeit zurück, die unserem Land so viel bedeutet“, schrieb Sy.
Auch der Schauspieler Samy Naceri, bekannt aus der „Taxi“-Filmreihe, forderte auf Instagram Gerechtigkeit. Der MMA-Kämpfer Salahdine Parnasse würdigte Pengo in einem Beitrag, Pengos Verein sprach offiziell sein Beileid aus.
Amateurkämpfer mit Profi-Ambitionen
Pengo trainierte mehrmals pro Woche in der Atch Academy in Aubervilliers im Département Seine-Saint-Denis. Für den Weg aus dem Département Yvelines brauchte er täglich etwa eine Stunde und 20 Minuten. Er kämpfte im Welter- und im Mittelgewicht und wollte Profi werden.
Er wird als freundlich, stets lächelnd, respektvoll und fleißig beschrieben, als jemand, der anderen half. Nach Angaben des Bürgermeisters von Trappes, Ali Rabeh, war er Franzose kongolesischer Herkunft.
Schüsse an mindestens sechs Orten
Nach Angaben der Nationalen Anti-Terror-Staatsanwaltschaft (PNAT) fuhr der Schütze am Freitag gegen 10 Uhr in einem hellgrauen Renault Clio durch Trappes und das benachbarte La Verrière. An mindestens sechs Stellen feuerte er mit einer Sten, einer britischen Maschinenpistole aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Ermittler klären den genauen Ablauf noch.
Zunächst schoss der Mann auf ein geparktes Auto, in dem eine Mutter und ihre Tochter saßen, dann auf die Fassade eines Gesundheitszentrums. Auf einem kleinen Platz in Trappes, dem Square Louis Pergaud, traf er Pengo tödlich. Weitere Menschen wurden an einer Tankstelle, an einer Apotheke in La Verrière und auf einer Straße in der Nähe verletzt.
Unter den fünf Verletzten ist ein zwölfjähriges Mädchen, das von acht Schüssen getroffen wurde. Am Samstag befand sich das Kind in kritischem Zustand.
Gegen 10.20 Uhr nahm eine Einheit der Kriminalitätsbekämpfung (BAC) den Verdächtigen im Nachbarort Coignières fest. In seinem Auto fanden die Beamten die Maschinenpistole und eine Tränengasgranate. Seine Wohnung in Plaisir war laut PNAT mit drei Gasflaschen und einem Zeitzünder präpariert.
Verdächtiger soll rassistisches Motiv genannt haben
Der Tatverdächtige Kévin T. ist 39 Jahre alt. Die Polizei kannte ihn wegen Delikten wie Diebstahl, Drogen und Trunkenheit am Steuer. Vier Verurteilungen sind inzwischen getilgt. Den Nachrichtendiensten war er nicht bekannt.
Nach Recherchen der Zeitung Le Monde gab er bei der Festnahme an, er habe „Schwarze und Araber“ angegriffen und damit Geschäftsleute „gerächt“, deren Läden am 17. Oktober geplündert worden seien. In seiner Wohnung fanden die Ermittler demnach unter anderem ein Exemplar von Hitlers „Mein Kampf“, außerdem eine Bibel und einen Koran.
Die PNAT ermittelt unter anderem wegen Mordes und versuchten Mordes im Zusammenhang mit einem terroristischen Vorhaben, verschärft durch ein rassistisches oder religiöses Motiv. Der Polizeigewahrsam des Verdächtigen wurde am Samstagmorgen verlängert und kann bis zu 96 Stunden dauern. Vier Menschen aus seinem Umfeld sind laut PNAT ebenfalls in Gewahrsam, nach Angaben des Senders France 3 auch seine Mutter.
Bürgermeister Rabeh sprach von einem Anschlag mit rassistischem und wahrscheinlich islamfeindlichem Hintergrund. Die Anwältin von Pengos Familie, Yassine Bouzrou, wirft die Frage auf, ob die Behörden bei der Überwachung des Täters versagt haben. Die Familie prüft, den Staat haftbar zu machen.